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Ode an das Grenzland
Oh Grenzland,
du Land der blühenden Blumen.
Du Land des fliegenden Weißhirsches.
Du Land der verschiedenen Sprachen.
Du Land der Länder.
Wie sehr beschäftigst du uns.
Oh Grenzland,
du Land der inneren Grenzen.
Du Land der Pendler und Grenzländer.
Du Land der gemeinsamen Zukunft?
Du gibst einen bleibenden Eindruck von lebendiger Vielfalt.
Oh Grenzland,
du Land der tiefen Hintergründe.
Mit Problemen von Menschenhand.
Du Land der drei Nationen.
Grenzland, einig Menschenland!?
Anja
Grenze stellt für mich ein unangenehmes Erscheinen dar. Zäune, Schranken, genervte Polizisten, Kameras und vor allem Menschen, die sich in zwei Gruppen teilen- die Legalen und die Illegalen. Kein Mensch ist illegal, doch es scheint das einer weniger illegal als der andere sein kann… Solange es Grenzen geben wird, kommen wir nie zu dem Schluss, dass jeder Mensch immer nur ein Mensch bleiben wird. Ein Mensch, der atmen muss, egal auf welcher Seite der Grenze.
Jakub
Vor zehn Jahren gab es auf den Fernsehsendern, die im Eurovisionsprojekt verbunden waren, die Sendung "Spiele ohne Grenzen". Vielleicht könnt ihr euch daran noch erinnern. In Tschechien war es sehr beliebt, die ganze Nation saß sonntags um 20 Uhr vorm Bildschirm. Die Idee dieser Spiele war wirklich einfach. Nationalteams versuchten in mehreren Spielrunden den möglichst besten Platz zu erringen. Für die witzigen Wettkämpfe wurden mehrmals Szenarios und Kulissen benutzt, die sich mit Stereotypen und Vorurteilen des jeweiligen Veranstalters auseinandersetzten. Meiner Meinung nach trug solch eine Sendung, wo alle ungeachtet der Grenzen zwischen ihren Ländern mitarbeiten mussten, mehr zur Verständigung bei als ein langweiliges Pflichtdokument in der Schule.
Gita
Begegnungen gibt es jede Menge. Oder Seminare. Oder gemeinsame Aktionen. Überall wird betont, dass Tschechen und Polen jetzt Deutschlands Nachbarn und Freunde sind. Dass Europa zusammenwächst. Dass Vorurteile keinen Platz mehr haben. Und irgendwie scheint dies auch immer zu stimmen. Jeder erzählt, wo er im Nachbarland schon überall war, was er gemacht hat und wen er dort kennt. Ich freue mich dann darüber, aber es bleibt doch eine Elite. Wenn ich nach Hause komme und die Sprache auf Polen oder Tschechien fällt, heißt es: "Ach ja, da war ich schon Zigaretten kaufen". Ich lache und freue mich dann darüber.
Diana
Ich sehe sie - die Grenze - als ein Teil von mir, sooft habe ich sie schon überschritten, meinen Ausweis gezeigt und bin in eine andere Kultur eingetaucht. Ich fühle mich in meinen Nachbarländern Polen und Tschechien zu Hause. Ich habe Freunde gefunden. Doch leider bin ich wohl noch eine Ausnahme, denn neben den Grenzen, die mit einem gültigen Ausweis überquert werden können, sind die Grenzen in den Köpfen nicht so leicht zu überwinden. Noch oft begegne ich Unterverständnis gepaart mit Vorurteilen. Aber solche Treffen, wie eben dieses an dem ich teilnehme, geben mir Hoffnung. Hoffnung, dass das Überschreiten der Grenze alltäglich wird und ich nicht allein bin.
Kati
Auf der polnischen Seite der Grenze sehe ich ein Haus. Es ist leer, aus den Fenstern ranken Zweige und Blüten. Das Dach ist eingefallen, und ich kann ahnen, dass im Haus ein Baum wächst. Nebenan steht ein bewohntes Haus, es ist grau und ärmlich, davor wachsen Blumen, und frisch gewaschene Wäsche weht im Wind. Das Auto hat keine Reifen. Auf der tschechischen Seite der Grenze steht ein Hotel. Das Dach leuchtet rot in der Sonne, die Fassade ist frisch renoviert. Die Speisekarte informiert auf Tschechisch und Deutsch über das Angebot. Doch ich kehre zurück nach Polen, kaufe mir im Dorfladen ein Bier, setze mich neben das Haus unter den Baum. Und genieße die Schönheit dieses Landes.
Ines
Neugier, dann Überraschung, viel Spaß und vor allem neue Freunde - das bedeutet für mich die Grenze. Somit ist sie nicht eine territoriale Trennungslinie, sondern als eine zeitliche Spanne zu verstehen. Jenseits der Grenze verläuft die Zeit mit den ausländischen Freunden ganz intensiv und schnell. Diesseits der Grenze vergeht die Zeit sehr langsam, weil man auf das nächste Treffen mit den Freunden warten muss. Das Leben teilt sich also sozusagen in Spaß- und Wartezeiten. Dabei bilden die Wartezeiten die Grenze. Diese passen aber ganz genau zueinander und machen das Leben wirklich schön.
Monika
Mentale Grenze
Als ich noch ein Kind war, bedeutete eine Grenze für mich lange Schlangen, die Zöllner, die meine Personaldaten im Computer prüfen und Pässe stempeln. Ein Pass voll bunter Stempel - das war schon was! Zum Glück sind zurzeit die politischen Grenzen immer leichter zu überwinden. Europäische Union, Schengenvertrag - das sind politische Lösungen, die es den Leuten aus verschiedenen Ländern erleichtern, Kontakte zu knüpfen. Allerdings bleibt noch ein Problem, das mit Hilfe politischer Mittel leider nicht gelöst werden kann. Die Vorurteile und Stereotypen, die unter manchen verschiedenen Nationen stark sind, bilden mentale Grenzen zwischen den Leuten. Deshalb ist es so wichtig, dass sich junge Leute aus ganz Europa treffen, Studentenreisen organisieren und im Ausland studieren. Nach einem Glas Bier und ein paar Wodka verschwinden alle Barrieren und Vorurteile.
Dorota
Die Grenze selbst macht keinen Unterschied. Das Haus Parada befindet sich zwar in Polen, aber wir sprechen alle Deutsch, die meisten von uns kommen aus Deutschland, deswegen fühle ich mich so, als ob ich jetzt in Deutschland wäre. Ich kann die Grenze fünfmal am Tag passieren, aber das ist nicht wichtig. Die Leute sind wichtig, d.h. wie sie sich verhalten, welche Einstellungen sie zu anderen Nationen haben. Es gibt Polen, die auf eine "deutsche" Art und Weise leben und umgekehrt. Ich möchte aber dadurch nicht sagen, dass die Grenze nicht wichtig ist. Sie grenzt zwei Welten ab, die von Leuten gestaltet werden.
Konrad
"Stehen bleiben!", schrie er "nehmen sie die Hände hoch und legen sie sich auf den Boden", fügte er hinzu. Mein Herz klopfte wild. Angst stieg in mir hoch. Er kam auf mich zu. "Hinlegen hab ich gesagt", brüllte er. Ich drehte mich zu ihm. Seine Augen waren hasserfüllt. Er zielte mit dem Gewehr auf mich. "Ihr elendes Ausländerpack", sagte er. "Denkt, ihr könnt einfach so über die Grenze rüber. Aber da habt ihr euch geschnitten. Wir passen hier nämlich sehr gut auf". Er kam näher. "Na, was ist? Hat es dir die Sprache verschlagen? Oder kannst du kein Deutsch?" Mir schnürte es die Kehle zu. Ich suchte nach einem Ausweg. Ich griff in meine Tasche und versuchte das Pfefferspray zu ertasten. "Nimm deine Hände weg oder ich schieße!", schrie er erneut. Als ich das Spray fest umklammert hatte zog ich es aus der Tasche, sprang auf ihn zu und drückte auf den Auslöser. Dann wurde es dunkel.
Kathrin
In der letzten Woche habe ich viele Grenzen passiert, auf vielen verschieden Wegen: Landkreis Führt - Stadt Führt, Mittelfranken - Oberpfalz, Bayern - Böhmen, Tschechien - Polen, Görlitz - Zgorzelec, Polen - Tschechien. Mit dem Auto, mit der Bahn, dem Bus oder zu Fuß. Ich war sogar im Dreiländereck. Manchmal bemerkte ich gar nicht, dass ich eine Grenze übertrat, manchmal machte ein Schild darauf aufmerksam, oft musste ich meinen Personalausweis vorzeigen, einmal wurden sogar meine Daten im Computer überprüft. Grenze hat für mich viele Bedeutungen - in den letzten Tagen kamen sogar einige hinzu: Vorfreude, Neugierde, Heimat, Gemeinsamkeiten, Erfahrungen, aber auch ein komisches Gefühl im Bauch, Fremde, Hindernisse. Für jemanden, der 150 km von der nächsten Grenze entfernt wohnt, hatte die Grenze nie eine wirklich wichtige Bedeutung. Durch die deutsch-deutsche Wiedervereinigung und die europäische Integration kommt man in Versuchung zu denken, dass Grenzen kein Problem mehr für uns Deutsche und Europäer darstellt. Ich lerne einige Fremdsprachen - Englisch, Französisch, Tschechisch - so habe ich das Gefühl, in jedem Nachbarland zurechtkommen zu können. Ich habe viele Freunde aus meinen Nachbarländern, sie haben die gleichen Wünsche und Ängste, sie tragen die gleiche Kleidung, hören die gleiche Musik und interessieren sich für die gleichen Dinge. So ist es einfach mit der Illusion eines einheitlichen Europas zu leben. Allerdings wurde die Illusion in letzter Zeit des Öfteren erschüttert. Ich bin zum studieren nach Magdeburg gegangen - nach "Preußen" oder in die ehemalige DDR. Nun werde ich sogar ein Semester in Olomouc/Olmütz in der Tschechischen Republik verbringen. In der letzten Woche habe ich viele Stimmen aus der deutsch-tschechisch-polnischen Grenzregion gehört. So wurde ich konfrontiert mit Unverständnis. "Was willst du denn da drüben? Gibt es in Bayern keine Stadt, in der du studieren kannst?". Von meinem aus Tschechien vertriebenem Großvater bekam ich zu hören: "Nimm Dir ja ein Messer mit". Das war zwar nicht unbedingt ernst gemeint, aber die Erfahrung prägte ihn. Allerdings lernte ich auch selbst das Gefühl von Fremde und Unsicherheit kennen. Man trifft viele Menschen, die vor allem Desinteresse zeigen. Genau deshalb ist es wichtig, Grenzen zu überschreiten und sich mit den anderen zu konfrontieren.
Natalie
Die Anderen
Ich bin geboren und aufgewachsen in der DDR, an der Grenze zu Bayern. Als ich klein war, gab es für uns nur die Möglichkeit, in das sozialistische Ausland zu reisen. Das waren unsere Brüder. Wir hatten ungefähr den gleichen Lebensstandard und uns verband der Sozialismus. Nicht weit entfernt von meinem Wohnort stand die Grenze zu den "anderen". Sie waren reicher aber man sagte mir, dass die Menschen nicht glücklich sind, weil sie ausgebeutet werden. Dort regierte das Geld. Dann, als ich 14 war, kam die Wende. Wir waren jetzt wieder ein Deutschland. Von da an hatten wir auch keine "Brüder" mehr. Jetzt waren es die Tschechen und die Polen. Bei uns änderte sich alles sehr schnell. Alles wurde neu gemacht. Bei den anderen war das nicht so. Sie waren auf sich allein gestellt. Niemand wollte mehr dahin fahren, denn wir gehörten jetzt zu Europa und die "anderen" nicht. 15 Jahre später traten unsere ehemaligen Brüder der EU bei. Ich hoffe, dass es ab jetzt keine "anderen" mehr gibt.
Sandro
Die Grenze
Vergiss deinen Ausweis nicht, wenn du sie überqueren möchtest.
Ein Grund brauchst du nicht mehr.
Anders ist es auf der anderen Seite.
Fremd aber nicht.
Vieles was du von zu Hause kennst, gibt es dort auch.
Wenn du jemanden nach den Weg fragst, gibt er dir Antwort.
Fährst du mit dem Bus, bringt er dich woanders hin.
Dort ist es aber nicht mehr so anders.
Du weist wo du herkommst, du weist wo du bist und du weist wo du hin möchtest.
Da wo du hin möchtest, dort sind sie alle.
Alle kamen über die Grenze.
Alle haben etwas anders erlebt.
War es einfach dorthin zu komme?
Sicher nicht.
Es ist die Grenze die sie aufhielt.
Vergiss deinen Ausweis nicht, wenn du sie überqueren möchtest.
Alexander
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