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Reisetagebuch

Mittwoch, 04. Juni; Der erste Tag: Ankunft, Universitätsbibliothek, Integrations- und Kennenlernparty

Voller Tatendrang und Motivation traf sich die Gruppe morgens um 6:30 Uhr im Warszawa-Express. Nach anfänglichen Platzproblemen im Zug, durch eine teilweise Doppelbelegung der Bahn verursacht, hatten doch spätestens in Frankfurt/Oder alle Teilnehmer einen Platz gefunden. Die sechsstündige Bahnfahrt bot die ideale Möglichkeit für ein intensiveres Kennenlernen und für erste Lektionen der polnischen Sprache. Am Warschauer Hauptbahnhof wurden wir von den polnischen Teilnehmern der Gruppe erwartet.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel machten wir uns auf zum ersten Termin: der Besichtigung der Warschauer Universitätsbibliothek. Die außergewöhnliche Architektur dieser Bibliothek versetzte uns deutsche Studenten in großes Staunen und Bewunderung. Das recht komplexe Gebäude beherbergt im ersten und zweiten Geschoss die Bibliothek, auf der Hinterseite schließen sich große Parkflächen an. Am meisten hat uns der Rundgang durch den botanischen Dachgarten, über den Dächern von Warschau, beeindruckt.

Nach diesem Spaziergang trafen wir uns im Kellergeschoss des Hauses, wo sich neben Geschäften auch eine Bowlingbahn befand, zur "Integrations- und Kennenlernparty". Bei einem ersten deutsch-polnischen Abendessen stärkten wir uns für das anschließende Bowling-Turnier. Mit Sport und Spaß erlebten wir gemeinsam den ersten von vielen schönen Abenden, die reichlich Platz für interessante Gespräche boten.

Nach dem Bowling-Turnier, bei dem es nur Gewinner gab, setzten wir uns noch auf ein Bier in ein Biergarten-Schiff am Ufer der Wisla. Schnell entwickelten sich tiefe und ernste Gespräche in der Gruppe. Wir hörten u.a. von den polnischen Studenten, dass die Polen zum Teil heute noch Angst davor haben, dass die Deutschen Breslau und Danzig für deutsch halten und Ansprüche auf diese Gebiete erheben könnten.

Die polnischen Studenten interessierten sich dafür, was wir Deutschen über Auschwitz denken und was die deutsche "Erinnerungskultur" ist: "Warum machen die Deutschen das, warum können sie nicht vergessen?" Eine sehr prägnante und klare deutsche Antwort lautete: "Es war so schlimm, dass wir uns heute noch verantwortlich fühlen und Verantwortung übernehmen wollen." Eine polnische Teilnehmerin machte ein Dilemma in diesem Kontext deutlich: das unterschiedliche Empfinden der Generationen. Während die heutige Generation sich fragt: "Warum waren wir Polen damals so schwach?" rechtfertigt sich die Älteren, indem sie beteuern: "Wir waren die Opfer übermächtiger Gegner." In der Diskussion über die Wahrnehmung der Polen in Deutschland und umgekehrt wurden Unterschiede in der Verarbeitung der Geschichte in Polen und Deutschland deutlich, z.B. sprechen die Polen über viele Themen nicht öffentlich. Auf beiden Seiten zeigte sich, wie verbreitet offenbar Vorurteile und Stereotypen heute noch sind, wie tief diese im Bewusstsein und Alltag der Menschen verwurzelt zu sein scheinen.



Written by Christiane Nowak
Last Updated 10/29/06
 
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