{"id":397,"date":"2013-09-16T11:57:19","date_gmt":"2013-09-16T09:57:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jugend-bewegt-europa.de\/cms2\/?page_id=397"},"modified":"2013-09-16T11:57:19","modified_gmt":"2013-09-16T09:57:19","slug":"wo-europa-endet-konzept","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.jugend-bewegt-europa.de\/cms2\/projekte\/2006-2\/wo-europa-endet\/wo-europa-endet-konzept\/","title":{"rendered":"Wo Europa endet: Konzept"},"content":{"rendered":"<h1>Wo Europa endet: Konzept<\/h1>\n<h2>Ausgangslage<\/h2>\n<p>Am 19. M\u00e4rz 2006 fanden in Belarus Pr\u00e4sidentschaftswahlen statt. Alexander Lukaschenko wurde wiedergew\u00e4hlt. Von den OSZE Beobachtern wurde diese Wahl als weder frei noch fair eingesch\u00e4tzt. Auf die zahlreichen Proteste der Opposition reagierte das Regime mit Verhaftungen, Entlassungen und Exmatrikulationen. Das Problem der Missachtung demokratischer Werte in Belarus stellt eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr das wichtigste Ziel der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft, die Verbreitung und F\u00f6rderung von Demokratie und Menschenrechten, dar. Doch der EU f\u00e4llt es schwer, auch aufgrund der von Lukaschenko betriebenen Politik der Selbstisolation, ad\u00e4quat und entschlossen zu reagieren. Seit Jahren wird beispielsweise die Einsetzung eines EU Beauftragten f\u00fcr Belarus diskutiert, jedoch nicht umgesetzt, es existiert weder eine EU Strategiegruppe, noch ein Belarus Democracy Act wie in den USA.<\/p>\n<p>Besonders die Regierung und Zivilgesellschaft Polens bem\u00fcht sich mit hohem Engagement, um eine Stabilisierung und Demokratisierung von Belarus und der weiteren \u00f6stlichen Nachbarn. Die Erfahrungen im Aufbau der Demokratie m\u00f6chte Polen weitervermitteln und die Etablierung souver\u00e4ner und westorientierter Staaten unterst\u00fctzen. Polen m\u00f6chte vermeiden, dass nach der EU Erweiterung neue Trennlinien an der polnischen bzw. EU- Au\u00dfengrenze entstehen. So trug und tr\u00e4gt Polen verst\u00e4rkt die Problematik der osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder in den au\u00dfenpolitischen Fokus der EU hinein.<\/p>\n<p>Polen unterst\u00fctzte die im Herbst 2004 durchgef\u00fchrte Orangene Revolution in der Ukraine. Im Februar 2005 unterzeichnete die Ukraine den mit der EU gemeinsam aufgestellten Aktionsplan, das Hauptinstrument der Europ\u00e4ischen Nachbarschaftspolitik, die 2003 von der Europ\u00e4ischen Kommission, als alternative M\u00f6glichkeit einer Teilnahme an der europ\u00e4ischen Integration entwickelt wurde, f\u00fcr L\u00e4nder, die zun\u00e4chst oder f\u00fcr immer ohne Beitrittsperspektive sind. Die Entt\u00e4uschung in der Ukraine, \u00fcber die Verwehrung eines EU Beitritts, vor allem des westlichen Teils der Ukraine, ist gro\u00df und tr\u00e4gt zus\u00e4tzlich zu einer Best\u00e4tigung der Russlandorientierten Einstellungen des \u00f6stlichen Teils bei, was zu einem Anwachsen der Missverst\u00e4ndniskluft f\u00fchrt und die Gefahr einer Spaltung des Landes birgt. Eine zunehmende Frustration innerhalb der EU Grenzen hat sich direkt auf das Verh\u00e4ltnis zu den \u00f6stlichen Nachbarnl\u00e4ndern widergespiegelt.<\/p>\n<p>Im Jahre 2004 wurde in der Existenz des vereinigten Europa ein wesentlicher Schritt nach vorn gegangen. Die Aufnahme 10 neuer Mitglieder forderte nun jedoch eine h\u00f6here Stufe der Integration, sowie eine Reformierung der EU. Doch die Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden sind gescheitert. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr wurden in einem mangelndem Informationsfluss, in der Angst vor Souver\u00e4nit\u00e4tsverlust und der Angst mit Blick auf die eigene wirtschaftliche und soziale Situation gefunden.<\/p>\n<p>Ungeachtet der ausgesprochenen Errungenschaften der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft, der Er\u00f6ffnung neuer M\u00f6glichkeiten und Perspektiven f\u00fcr Staaten und B\u00fcrger in politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Bereichen, bleiben viele B\u00fcrger der alten EU L\u00e4nder skeptisch. Einer wachsenden Geschwindigkeit europ\u00e4ischer Integrationsprozesse stehen Aufnahmem\u00fcdigkeit und Distanz der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber. Die Folgen der Erweiterung verunsichern, die Angst vor zunehmenden Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt w\u00e4chst. Im Zuge der Europ\u00e4isierung erstarken nationale Ideen und W\u00fcnsche nach einer Renationalisierung der Politik.<\/p>\n<p>Obwohl vor allem junge Menschen der EU eher positiv gegen\u00fcber stehen, f\u00fchlen sie sich schlecht informiert und sehen wenig Partizipationsm\u00f6glichkeiten. Es werden vor allem undemokratische Entscheidungsstrukturen und eine fehlende Transparenz wahrgenommen, die Ausrichtung auf \u00f6konomische Aspekte und die Abgrenzung gegen\u00fcber Drittstaaten werden kritisiert.<\/p>\n<p>Es gibt eine Vielzahl ungel\u00f6ster Probleme, die weitere Probleme nach sich ziehen. Fragen zu der Identit\u00e4t der EU in Bezug auf Europa, der Exklusion und Inklusion, der Gestaltung der nachbarschaftlichen Beziehungen m\u00fcssen gestellt und beantwortet werden. In dieser komplizierten Situation wachsen die Anspr\u00fcche hinsichtlich der Informationsversorgung und der Qualifizierung von Jugendlichen, was dem Aufzeigen von M\u00f6glichkeiten hinsichtlich einer aktiven Partizipation dienen muss.<\/p>\n<p>Nur der verst\u00e4rkte Akzent von internationalen Programmen auf eine enge Zusammenarbeit im Bereich der politischen und interkulturellen Jugendbildung, sowie eine enge Kooperation mit den EU Nachbarstaaten, kann die Sch\u00e4rfung einer europ\u00e4ischen Identit\u00e4t und einen positiven, erfolgreichen Beziehungsaufbau zur EU erzielen. Es bedarf mehr Demokratie, internationalem Dialog und Diskussion, um kulturelle und politische Grenzen zu \u00fcberwinden und Europa gemeinsam gestalten zu k\u00f6nnen. Vorrangiges Ziel muss die St\u00e4rkung und Stabilisierung der Zivilgesellschaft, besonders in Belarus und der Ukraine sein, um Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<h2>Ziele<\/h2>\n<p>Im Rahmen des Projektes m\u00f6chten wir junge Menschen aus der Ukraine, Polen und Deutschland in die wei\u00dfrussische Stadt Grodno einladen, mit dem Ziel, vorhandene Stereotypen und Vorurteile abzubauen und das sich von Europa entfernende Land Belarus, aus der N\u00e4he kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Der Titel des Projektes soll unseren Anspruch provokativ verdeutlichen: sehr wohl geh\u00f6rt Belarus zu Europa. Doch die aktuellen politischen Umst\u00e4nde im Europa der EU, als auch in Belarus, zeigen Reibungsfl\u00e4chen auf und bieten Handlungsanreize. Wir wollen den Teilnehmern aus dem Europa der EU zeigen, dass es sich trotz Kritiken und Problemen lohnt, f\u00fcr die Idee Europa zu arbeiten und andererseits die Teilnehmer aus Belarus ermutigen, sich in ihrer Heimat, trotz Widerst\u00e4nde, f\u00fcr eine Ann\u00e4herung des Landes an Europa zu engagieren. Dabei steht zun\u00e4chst der Aspekt der Ermutigung f\u00fcr zivilgesellschaftliches Engagement \u00fcberhaupt im Vordergrund.<\/p>\n<p>Den Teilnehmern sollen Kenntnisse \u00fcber Europa und seine Institutionen vermittelt werden. Sie sollen sowohl Entscheidungsprozesse auf europ\u00e4ischer Ebene als auch Ambivalenzen der EU verstehen und kritisch beleuchten. Sie sollen sich aktiv mit der Bedeutung und Entwicklung einer europ\u00e4ischen B\u00fcrgergesellschaft auseinandersetzen und der Idee der europ\u00e4ischen Identit\u00e4t Inhalte verleihen. Des Weiteren soll die Europ\u00e4ische Nachbarschaftspolitik diskutiert und weitere Perspektiven er\u00f6rtert werden. Das Seminar soll das Interesse wecken, sich mit der heutigen Problematik der politisch-kulturellen Abgrenzung der EU-Mitglieder von den au\u00dferhalb der EU Grenzen liegenden L\u00e4ndern (Belarus und die Ukraine) zu besch\u00e4ftigen, bzw. auch die Selbstisolation von Belarus zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten, abgesehen von den sozial-politisch ausgerichteten Diskussionen, dem Seminar einen starken kulturellen und kreativen Aspekt verleihen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Chancen kulturellen Austausches in der Diskussion um nationale und europ\u00e4ische Identit\u00e4ten. Die Teilnehmer sollen mit den kulturellen Besonderheiten der jeweiligen L\u00e4nder vielseitig bekannt gemacht werden und sich intensiv mit ihrer eigenen Identit\u00e4t und Nationalit\u00e4t auseinandersetzen, um sich und ihre Nachbarn besser kennen zu lernen. Es soll eine Neugier geweckt werden, \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg, miteinander zu kommunizieren und gemeinsame Lebensperspektiven, vor dem Hintergrund demokratischer Grundwerte, zu entwickeln.<\/p>\n<p>Darauf aufbauend wird das Ziel verfolgt, einen Beitrag zur \u00dcberwindung der Passivit\u00e4t der Jugendlichen zu leisten, Interesse an der internationalen, politischen Arbeit zu wecken, junge Menschen zum pers\u00f6nlichen, zivilgesellschaftlichem Engagement anzusto\u00dfen und die demokratische Grundhaltung zu st\u00e4rken. Es sollen neue Projektideen entstehen, die gemeinsam durchgef\u00fchrt werden sollen. Die Teilnehmer sollen Freude an der politischen Partizipation auf den verschiedensten Ebenen entwickeln, um damit die Zivilgesellschaft und Demokratie, auch auf europ\u00e4ischer Ebene, zu stabilisieren.<\/p>\n<p>Die Teilnehmer sollen interkulturelle und soziale Kompetenzen, sowie Kompetenzen in der Beurteilung komplexer politischer Prozesse und im Bereich der Internationalen Zusammenarbeit erwerben. Sie sollen in ihrer Kreativit\u00e4t, Selbstverantwortung, Kooperations- und Partizipationsbereitschaft gef\u00f6rdert und in ihrem Selbstvertrauen und Selbstbild gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<h2>Durchf\u00fchrung<\/h2>\n<p>Der bildungspolitische Teil des Seminars wird einerseits durch Referate und Diskussionen mit Experten aus Politik, Wissenschaft und Ehrenamt durchgef\u00fchrt. Kleingruppenarbeit und ein aktiver Austausch der Teilnehmer untereinander sollen eine intensive Auseinandersetzung der unterschiedlichen Perspektiven erm\u00f6glichen. Andererseits werden, um auch einen emotionalen und lebensweltnahen Zugang zu erhalten, einige Methoden des Juniorteams Europa (entwickelt vom Centrum f\u00fcr angewandte Politikforschung) eingesetzt.<\/p>\n<p>Der kulturelle Teil des Seminars wird mit einigen Elementen (Rollenspielen), angeregt von der Fortbildung &#8222;Interkulturelle Kommunikation&#8220; der Initiative MOE, gestaltet. Die Teilnehmer selbst sollen L\u00e4nderabende durchf\u00fchren. Es k\u00f6nnen die verschiedensten kreativen Elemente, wie Musik, Tanz, Fotos, Film, Quiz, Literatur etc. genutzt werden. In der Ausschreibung wird darauf hingewiesen werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entwicklung von Projektideen wird es ein Einstiegsmodul geben, in dem Kenntnisse des Projektmanagements vermittelt werden. Besonders wird der Fokus auf die Konzeptentwicklung, Antragstellung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit gerichtet. Die Teilnehmer werden einen Reader mit den wichtigsten Informationen erhalten. Dieser soll praktische Hilfestellungen f\u00fcr die Entwicklung von Projekten bieten.<\/p>\n<p>Danach wird eine Zukunftswerkstatt durchgef\u00fchrt. Diese Form eignet sich besonders gut, da kreative, praxisnahe und realisierbare Probleml\u00f6sungen gefunden werden und Projekte entstehen k\u00f6nnen, die nachhaltig ausgerichtet sind und langfristige Handlungsm\u00f6glichkeiten erschlie\u00dfen. Anschlie\u00dfend sollen in Kleingruppenarbeit erste Konzeptentw\u00fcrfe entstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo Europa endet: Konzept Ausgangslage Am 19. M\u00e4rz 2006 fanden in Belarus Pr\u00e4sidentschaftswahlen statt. Alexander Lukaschenko wurde wiedergew\u00e4hlt. Von den OSZE Beobachtern wurde diese Wahl als weder frei noch fair eingesch\u00e4tzt. Auf die zahlreichen Proteste der Opposition reagierte das Regime mit Verhaftungen, Entlassungen und Exmatrikulationen. 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